Dr. M. Elling bei der Kataraktoperation mit dem Femtosekundenlaser

Medizin Tipp

Unsere Augen - Teil 2: Wie wir sie heilen können

Blind zu sein, ist für die große Mehrheit der Menschen einer der schlimmsten denkbaren Schicksalsschläge. Unsere Sinneswahrnehmung Sehen ist ein hochkomplexes System, dem immer wieder Gefahren drohen, durch Krankheiten, durch äußere Schädigungen und durch Umbauvorgänge, die - wie man so schön sagt - "mit dem Alter" kommen. Glücklicherweise kann die moderne Augenheilkunde viele dieser Prozesse aufhalten und manchmal gar zur großen Freude der Patienten umkehren.
 
Bis ins hohe Alter "gute Augen", also ein exzellentes Sehvermögen zu haben, ist kein unerfüllbarer Traum. Da wir heute eine Lebenserwartung haben, von denen frühere Generationen nur träumen konnten, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass wir ein Alter erreichen, in dem die Augen Probleme machen. Diese können aber auch schon die Allerjüngsten treffen, weswegen Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern so wichtig sind. So ist es ganz entscheidend, ein Schielen - das immerhin bei rund 7% aller Kinder auftritt - frühzeitig zu erkennen und in einer Sehschule, wie sie die Augenklinik am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum hat, eine geeignete Behandlung eingeleitet wird. Kinder mit einer Fehlstellung der Augen werden nachweislich von Gleichaltrigen diskriminiert. Die Abweichung des Auges kann eine Sehschwäche auslösen, die sogenannte Amblyopie, die später nicht mehr zu beheben ist.
 
Fast jeder von uns wird eine Veränderung am Auge erleben, deren Behandlung inzwischen die häufigste chirurgische Intervention in der Medizin überhaupt ist. Es geht um den Grauen Star, in der Fachsprache die Katarakt genannt (der Katarakt ist eine Stromschnelle am Nil oder anderen Flüssen). Dabei handelt es sich um eine Trübung der Augenlinse, die im fünften Lebensjahrzehnt allmählich einsetzt und typischerweise mit dem Rentenalter - bei manchen früher, bei anderen später - so ausgeprägt ist, dass das Sehen "wie durch Nebel" erscheint. Es ist eine der beeindruckendsten Erfolgsgeschichten des heutigen Medizinbetriebes: die getrübte Linse wird in einem Eingriff, der eine Viertelstunde dauert und meist unter lokaler Betäubung erfolgen kann, entfernt und durch eine Kunstlinse oder auch Intraokularlinse (IOL) ersetzt. Ein toller Nebeneffekt: wir können die Stärke dieser IOL so berechnen, dass der Patient, wenn er vorher Brillenträger war - zum Beispiel aufgrund einer Kurzsichtigkeit - jetzt überwiegend oder gar ganz ohne Brille auskommt.
 
Diese faszinierende Operation - sie wird in Deutschland geschätzt 900.000mal im Jahr vorgenommen und ist damit häufiger als die Implantation künstlicher Knie- und Hüftgelenke sowie die Entfernung von Blinddärmen und Gallenblasen - ist sogar noch sicherer und effektiver durch eine technische Innovation geworden. Nicht ganz ohne einen hoffentlich verzeihlichen Stolz weise ich darauf hin, dass die Universitätsaugenklinik Bochum weltweit zu den Pionieren in der Anwendung des Femtosekundenlasers bei der Operation des Grauen Stars gehört und eines der Zentren mit den höchsten auf diese hochmoderne Art operierten Patientenzahlen ist. Mit diesem Laser führen wir Schritte der OP durch, die ansonsten manuell oder mit Ultraschall vorgenommen werden. Unsere Erfahrungen mit der Technik, über die wir mehr wissenschaftliche Veröffentlichungen haben als jede andere Klinik, als "ermutigend" zu bezeichnen, wäre die Untertreibung des Jahres. Sie ist für viele Patienten, gerade auch solche mit Vorerkrankungen des Auges ein game changer, ein Hoffnungsträger.
 
Bei allen Erfolgen der Augenmedizin dürfen wir nicht vergessen, dass es immer noch Menschen gibt, die mit hoher Sehbehinderung und Erblindung leben. Wir setzen große Hoffnungen in Fortschritte, die sich am Horizont abzeichnen oder gerade in den klinischen Alltag Einzug halten. Dazu gehören Netzhautchips, die bislang blinden Patienten wieder eine Orientierung ermöglichen. Und Gentherapien, mit denen Erbkrankheiten, die bislang als unheilbar galten wie die schon Jugendliche betreffende Stargard-Krankheit, die Retinitis pigmentosa und die Lebersche kongenitale Amaurose. Diese Begriffe der Vergangenheit angehören zu lassen, ist die nächste große Aufgabe in der Augenheilkunde.
Univ.-Prof. Dr. med. Burkhard Dick
Univ.-Prof. Dr. med. Burkhard Dick
Direktor der Augenklinik
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