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Schielen: Alexas Fotos from Pixabay

Medizin-Tipp: Schielen

Kinder können grausam sein. Der Schweizer Augenarzt Professor Daniel Mojon legte im Rahmen einer Studie einer Gruppe von Sechsjährigen Fotos von Gleichaltrigen vor und fragte sie, welche der Kinder auf den Bildern sie am ehesten zu einer Geburtstagsfeier einladen würden. Fast alle der Kinder auf den Fotos hätten sich über Einladungen freuen können - bis auf eines: die kleine Nicole schielte und wurde deswegen von den befragten Erstklässlern offenbar gemieden. Dass Mojon dem Bild des Mädchens per Photoshop das Schielen - Fachausdruck: Strabismus - verpasst hatte und Nicole im tatsächlichen Leben zu reichlich Geburtstagen eingeladen wird, nimmt der Botschaft seiner Untersuchung nichts von ihrer Dringlichkeit: Schieler - ob Kinder oder Erwachsene - müssen mit Diskriminierung und Ausgrenzung rechnen. Zwar sprechen wir nicht mehr vom "bösen Blick" wie in früheren Jahrhunderten, doch Ressentiments sind nach wie vor lebendig.

Eine Fehlstellung der Augen - darum handelt es sich - zu behandeln und ggf. zu operieren, hat nichts mit Kosmetik oder kosmetischer Chirurgie zu tun. Die Schieloperation ist ein ganz entscheidender Schritt hin zu Akzeptanz und einem normalen, "gesunden" Selbstwertgefühl. Vor allem aber ist eine fachgerechte Therapie des Schielens durch Augenärzte und Orthoptistinnen gerade im Kleinkindesalter, in dem der Strabismus meist auftritt, entscheidend um dem Kind eine normale Sehfähigkeit zu sichern. Ein Auge, das ständig nach innen oder außen (das Höhenschielen nach oben oder unten ist weitaus seltener) schielt, unterliegt der Gefahr, im Wachstumsprozess des visuellen Systems quasi zu verkümmern, schwachsichtig oder, wie wir sagen: amblyop zu werden. Deswegen sollten Eltern, die ein Schielen bemerken, umgehend zu einer Untersuchung kommen. Nicht immer muss operiert werden, in vielen Fällen hilft eine adäquate Brille und ein "Okklusionstherapie", bei der das "gute Auge" für eine gewissen Zeit abgedeckt wird, um das schielende Auge zu trainieren. Doch auch wenn operiert werden und an den kleinen Augenmuskeln ein Eingriff erfolgen muss, ist dies kein Grund zur Sorge. Die Erfolgsraten moderner Schielchirurgie sind hoch, Komplikationen extrem selten - und nach Abheilung winkt den kleinen Patienten ein normales Leben mit vielen Freunden und Freuden.

Univ.-Prof. Dr. med. Burkhard Dick
Univ.-Prof. Dr. med. Burkhard Dick
Direktor der Augenklinik
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