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Kardiologen bei der Untersuchung

Medizin-Tipp: Der kathetergeführte Aortenklappenersatz – eine schonende Methode

Die Aortenklappe bildet eine der insgesamt vier Herzklappen. Zwischen der linken Herzkammer und der Hauptschlagader (Aorta) lokalisiert, reguliert sie die Flussrichtung von mit Sauerstoff angereichertem Blut. Bei einer meist durch Verkalkungen ausgelösten Verengung im Bereich der Aortenklappe (sog. Aortenklappenstenose) wird eine Behandlung erforderlich, wenn das Herz zu stark pumpen muss, um eine ausreichende Blutversorgung über die Aortenklappe zu gewährleisten. Die hohe Pumpbelastung des Herzen wird oftmals durch Atemnot, ein Engegefühl in der Brust (sog. Angina pectoris) oder schlagartige Bewusstlosigkeit (sog. Synkopen) symptomatisch.
 
Der operative Aortenklappenersatz erfolgt durch die Eröffnung des knöchernen Brustkorbes. Während der Operation muss das Herz stillgelegt werden und die eigentliche Herzarbeit wird passager maschinell, über die Herz-Lungen-Maschine, erhalten. Aufgrund des damit einhergehenden hohen operativen Risikos, ist die Patientenversorgung auf diesem Wege jedoch nicht immer vertretbar. Im Abwägungsprozess spielen Einflussfaktoren wie das Patientenalter und relevante Nebenerkrankungen eine limitierende Rolle.
 
Als für den Organismus schonendere Alternative steht heute der minimalinvasive Aortenklappenersatz mittels Herzkatheter zur Verfügung. Der Zugang wird über einen winzigen Schnitt meist nahe der Beinschlagader im Bereich der Leiste (transfemoral) hergestellt und der Katheter kann von der Beinschlagader bis zum Herzen vorgeschoben werden. Der Zugang über eine Schlagader des Armes (sog. transubclavian-TAVI) kommt in bestimmten Fällen ebenfalls in Frage. Anders als bei der chirurgischen Methode besticht der Eingriff nicht zuletzt durch das Vorgehen nur mittels örtlicher Betäubung ohne Notwendigkeit der Vollnarkose.
 
Im wesentlichen drei Klappensysteme haben sich bei breitem wissenschaftlichen Fundament international etablieren können: 
1) die Edwards SAPIEN 3
2) die Evolut™ PRO und 
3) die Symetis ACURATE neo™ Bioprothesen.

Zu 1) Die aus Rinderperikard bestehende Edwards SAPIEN 3 ist in einen aktiv zu expandierenden Stahltstent eingenäht. Mit einem speziellen System wird sie auf einem Ballon angebracht, fixiert und schließlich durch Aufdehnung des Ballons implantiert (ballon-expandierend).
 
Zu 2) Die aus einem selbstexpandierenden Nitinol-Gerüst und Schweineperikard bestehende Evolut™ PRO steht ebenfalls zur Verfügung. Diese bietet zusätzlich zur ersteren die Möglichkeit einer Repositionierung der Aortenklappenbioprothese zur Lageoptimierung.
 
Zu 3) Durch die Symetis ACURATE neo™ wird ein weiteres alternatives selbstexpandierbares System angeboten.
 
Als Vorteil sämtlicher hier aufgeführter Klappensysteme ist ihr besonderes Abdichtungssystem – eine Art Röckchen um den Stent herum – hervorzuheben. Dieses Abdichtungssystem hat dazu beigetragen, dass die Erfolge des minimalinvasiven Aortenklappenersatzes als mindestens denen des offenen herzchirurgischen ebenbürtig, teils sogar überlegen konstatiert werden können.
 
In manchen Fällen ist eine sog. Vordehnung der verkalkten Aortenklappe (sog. Valvuloplastie) vorbereitend zum Aortenklappenersatz angezeigt. Grundsätzlich bieten minimalinvasive Verfahren über die Leiste die attraktive Möglichkeit lange Liegezeiten im Krankenhaus nach der Maßnahme zu umgehen, indem moderne Verschlusssysteme zum Einsatz kommen. Die dadurch mögliche rasche Mobilisation trägt wesentlich zum verbesserten Patientenbefinden nach stattgehabtem Eingriff bei.
 
Zur Planung der Prozedur finden im Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum regelhaft akribische Voruntersuchungen, darunter bildgebende sowie invasive Verfahren statt. So kann im Sinne der individuellen Patientenversorgung maßgeschneidert auf die einzelnen Fall- und Befundkonstellationen eingegangen werden.
Dr. med. Polykarpos C. Patsalis
Dr. med. Polykarpos C. Patsalis
Leiter Kardiologie und Internistische Notfallmedizin in der Medizinischen Klinik
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